Diese Ausgabe
Zeitraum & Methodik
Hinweis zur Methodik: Asylstatistiken erfassen Staatsangehörigkeit, nicht Religion. Herkunftsländer mit muslimischer Mehrheit (z. B. Afghanistan, Syrien, Bangladesch, Türkei, Irak, Somalia) dienen hier nur als Näherung. Bevölkerungsanteile: jeweils neueste verfügbare Erhebung (Zensus, amtliche Umfrage, Hochrechnung oder Mitgliedszahl), Bezugsjahr und Quelle bei jeder Zahl. Wo es keine neuere nationale Zahl gibt, gilt die Pew-Schätzung für 2020 (Pew, 09.06.2025).
AUSGABE 1 · MONTAG, 19.10.2026
Drei Kernpunkte
- 01Asylanträge in der EU+ weiter rückläufig: Im 1. Halbjahr 2026 gab es ca. 332.000 Anträge (−17 % zum Vorjahr), so wenig wie zuletzt 2021. Die größten Gruppen: Afghanen (39.000), Venezolaner (33.000), Bangladescher (20.000) (EUAA, Sep. 2026). Im Juni 2026 lag Bangladesch erstmals vorn (Eurostat).
- 02Weniger irreguläre Grenzübertritte: Von Januar bis September 2026 wurden 78.960 Ankünfte registriert (Rat der EU). Von Januar bis August waren es 35 % weniger als im Vorjahr. Nur die westliche Mittelmeerroute legte zu (+34 %, Hauptabfahrtsland Algerien) (Frontex, 11.09.2026).
- 03Politik setzt auf Rückführung: Der EU-Rat hat am 01.10.2026 die Rückführungsverordnung verabschiedet. Sie erlaubt „Return Hubs“ in Drittstaaten (Rat der EU, 01.10.2026). DE, AT, DK, GR und NL planen einen gemeinsamen Hub, das Ziel ist 2027 (Euronews, 08.10.2026).
Abschnitt
EU-Ebene
- Seit 12.06.2026 gilt der neue Asyl- und Migrationspakt (GEAS). Die EU-weite Anerkennungsquote in erster Instanz liegt bei 31 %. Rund 770.000 Erstverfahren waren Ende Juni offen (EUAA).
- Im Mai 2026 gab es ca. 52.000 Anträge (−19 % zum Vorjahresmonat). Unter den größten Gruppen: Afghanistan, Bangladesch, Ägypten, Türkei, Sudan, Mali, Pakistan, Somalia, Syrien (EUAA FAQ).
- Auf der Ostmittelmeerroute kamen vor allem Afghanen, Sudanesen und Bangladescher an, auf der zentralen Route vor allem Bangladescher, Somalier und Algerier (Frontex).
14 Länder
Länder
DE
Deutschland
Von Januar bis September 2026 gab es 55.366 Neuzugänge ins Asylsystem (−36,9 %). Im September waren es 5.276, die häufigsten Herkunftsländer: Afghanistan 1.087, Syrien 688, Türkei 618, Irak 264, Somalia 250. Die Schutzquote liegt bei 36,4 % (BAMF, 05.10.2026). Muslimischer Anteil: 8,0–8,5 % bzw. 6,6–7,0 Mio. (2025, Hochrechnung, BAMF, 2026).
Verlauf →AT
Österreich
Von Januar bis August 2026 gab es 6.512 Asylanträge (2025 im selben Zeitraum: 11.898) (BMI). Bis Ende August haben 10.440 Personen das Land verlassen, davon 5.275 durch Abschiebung (OTS/BMI, 20.09.2026). Österreich ist Teil der Return-Hub-Gruppe. Muslimischer Anteil: 8,3 % bzw. 745.600 (2021, Erhebung, Statistik Austria).
Verlauf →CH
Schweiz
Von Januar bis August 2026 gab es 13.545 Asylgesuche (−16,9 %). Im August waren es 1.896, die häufigsten Herkunftsländer: Afghanistan 389, Algerien 262, Eritrea 256, Somalia 147, Türkei 128 (SEM). Muslimischer Anteil: 6,0 % der Bevölkerung ab 15 Jahren (2024, Strukturerhebung, BFS).
Verlauf →FR
Frankreich
Mit ca. 69.000 Anträgen im 1. Halbjahr 2026 ist Frankreich das wichtigste Zielland der EU+ (EUAA). Muslimischer Anteil: 9,1 %, ca. 6,0 Mio. (2020, Schätzung, Pew 2020); in der Umfrage TeO2 bezeichnen sich 10 % der 18- bis 59-Jährigen als Muslime (2019–20, INSEE).
Verlauf →IT
Italien
Im 1. Halbjahr 2026 gab es ca. 66.000 Anträge (EUAA). Auf der zentralen Mittelmeerroute gingen die Ankünfte um 55 % zurück (Euronews/IOM, 06.10.2026). Muslimischer Anteil: 4,4 % (2020, Schätzung, Pew 2020); unter den Ausländern sind es ca. 1,7 Mio. bzw. über 30 % (01.01.2025, ISMU).
Verlauf →ES
Spanien
Im 1. Halbjahr 2026 gab es ca. 55.000 Anträge (EUAA). Die westliche Mittelmeerroute verzeichnete +34 %, auf der Westafrika-Route gab es −58 %. Ende Juli kam es zu einem Massenübertritt nach Ceuta (Frontex). Muslimischer Anteil: ca. 5 % bzw. 2,54 Mio. (Ende 2024, Schätzung des Dachverbands, UCIDE); Pew schätzt 3,6 % (2020, Pew 2020).
Verlauf →GR
Griechenland
Gemessen an der Bevölkerung erhält Griechenland die meisten Anträge in der EU+ (EUAA). Die Ostmittelmeerroute war von Januar bis August die stärkste Route mit über 24.200 Übertritten (−25 %), vor allem über den Korridor Libyen–Kreta (Frontex). Ein Pilotprojekt für einen Return Hub ist für das 1. Halbjahr 2027 geplant (CBS, 02.10.2026). Muslimischer Anteil: 5,1 % (2020, Schätzung, Pew 2020).
Verlauf →GB
Vereinigtes Königreich
Im Jahr bis Juni 2026 stellten 85.891 Personen einen Asylantrag (−21 %), 40 % von ihnen kamen per Boot (Home Office). 2026 kamen bis 08.10. 20.935 Menschen über den Ärmelkanal (−41 %) (asylumstats/Home Office). Vom 11. bis 17.10. gab es keine Ankünfte (GOV.UK). Muslimischer Anteil: 6,5 % in England & Wales (Zensus 2021, ONS) und 2,2 % in Schottland (Zensus 2022), zusammen mit Nordirland ca. 6,0 % bzw. 4,0 Mio.
Verlauf →SE
Schweden
Am 07.10.2026 hat die Migrationsbehörde die Flüchtlingsquote für 2026 gesenkt. Am 01.10. trat ein neues Aufnahmegesetz mit mehr Kontrollen in Kraft (EUAA DIP). Muslimischer Anteil: 8,1 %, ca. 839.000 (2020, Schätzung, Pew 2020).
Verlauf →DK
Dänemark
Dänemark will 2027 erste Überstellungen in ein Partnerland außerhalb der EU vornehmen (CBS). Muslimischer Anteil: knapp 5 % bzw. über 292.000 (2025, Schätzung Brian Arly Jacobsen, Kristeligt Dagblad).
Verlauf →NL
Niederlande
Die Niederlande sind Teil der Return-Hub-Gruppe (Euronews). Muslimischer Anteil: 6 % der Bevölkerung ab 15 Jahren (2025, Umfrage, CBS).
Verlauf →BE
Belgien
Muslimischer Anteil: 6,8 % (2020, Schätzung, Pew 2020); die Schätzung von Jan Hertogen kommt auf 9,4 % bzw. 1,09 Mio. (2021, npdata).
Verlauf →NO
Norwegen
Muslimischer Anteil: 201.899 Mitglieder islamischer Gemeinschaften, ca. 3,6 % (01.01.2026, SSB); Pew schätzt 4,1 % (2020).
Verlauf →PL
Polen
Muslimischer Anteil: unter 0,1 % (2020, Schätzung, Pew 2020); im Zensus 2021 gaben 2.209 Personen den Muslimischen Religionsverband an (GUS).
Verlauf →Lücken: Für BE, NL, NO, PL, SE und DK fehlen in dieser Ausgabe noch aktuelle nationale Antrags- und Abschiebezahlen. Für FR, IT, ES und GR fehlen nationale Abschiebezahlen. Beides wird in den nächsten Ausgaben aus den nationalen Ämtern (CGRA, IND, UDI, UDSC, Migrationsverket, Udlændingestyrelsen, OFPRA) ergänzt.
Weiterlesen
- Entwicklung je Land – alle Einträge je Land aus allen Ausgaben
- Karte der Migrationsrouten und Diagramme – neueste amtliche Zahlen je Route
- Geburtenrate und Herkunft je Land – amtliche Demografie-Zahlen mit Bezugsjahr
- Quellenverzeichnis – alle verlinkten Quellen nach Herausgeber
- Archiv aller Ausgaben
QUELLDATEI: tracking-2026-10-19.md