AUSGABE · 19.10.2026

Tracking: Islamische Migration nach Europa – Ausgabe 2 (Montag, 19.10.2026)

Stand
19.10.2026
Ausgabe
2
Wochentag
Montag

Diese Ausgabe

Zeitraum & Methodik

Berichtszeitraum: Entwicklungen seit Freitag, 16.10.2026. Ergänzt Ausgabe 1 vom selben Morgen (Ausgabe 1 · Montag, 19.10.2026), die die Basislage je Land enthält.

Methodik: Asylstatistiken erfassen die Staatsangehörigkeit, nicht die Religion. Herkunftsländer mit muslimischer Mehrheit (z. B. Afghanistan, Syrien, Türkei, Irak, Somalia, Algerien, Bangladesch, Pakistan, Sudan) dienen nur als Näherung; Eritrea, Burundi, Kolumbien u. a. sind keine mehrheitlich muslimischen Länder. Bevölkerungsanteile: jeweils neueste verfügbare Erhebung, Bezugsjahr bei jeder Zahl (z. B. DE 8,0–8,5 % 2025 laut BAMF, AT 8,3 % 2021, CH 6,0 % 2024, NL 6 % 2025, FR 9,1 % 2020 laut Pew); wo es keine neuere nationale Zahl gibt, gilt die Pew-Schätzung für 2020 (Pew, 09.06.2025). Zeiträume stehen bei jeder Zahl; Werte, die nur aus Suchergebnissen oder X stammen, sind als „noch nicht gegengeprüft“ markiert.

AUSGABE 2 · MONTAG, 19.10.2026

Drei Kernpunkte des Tages

  1. 01
    EU-Gipfel will Notfallrahmen fürs Asylrecht: Die Staats- und Regierungschefs begrüßten am 15./16.10. die Absicht der Kommission, einen Rahmen für Notfallmaßnahmen und „Instrumentalisierung“ von Migration zu entwickeln (Europäischer Rat); der Vorschlag soll bis Jahresende kommen (Handelsblatt, 16.10.). 38 Organisationen warnen vor einem Bruch mit Grundrechten (Vatican News, 17.10.).
  2. 02
    Neue Septemberzahlen bestätigen den Rückgang: Schweiz 2.122 Gesuche (−18 % zum Vorjahresmonat), Belgien 2.071 (−29 %), Niederlande 3.041, Dänemark 155, Norwegen 301. Afghanistan, Syrien und Eritrea liegen fast überall vorn.
  3. 03
    Kreta unter Druck, Italien deutlich niedriger: Auf Kreta kamen 2026 laut Migrationsminister Plevris rund 19.000 Menschen an, zuletzt 17 Boote in unter 48 Stunden (Eleftheros Typos, 19.10.). Italien zählt bis 15.10. 24.583 Anlandungen gegenüber 55.184 im Vorjahreszeitraum (Viminale, 15.10.).

Abschnitt

EU-Ebene

  • Gipfel-Schlussfolgerungen (15./16.10.): Bestandsaufnahme der Migrationspolitik; Kommission soll mit den Mitgliedstaaten einen Notfallrahmen ausarbeiten; das Thema kommt bei einem späteren Gipfel wieder auf den Tisch (Europäischer Rat). Kommissionspräsidentin von der Leyen hatte am 13.10. per Brief „zusätzliche Flexibilität“ bei Grenz-, Asyl- und Rückkehrverfahren in Ausnahmelagen angekündigt (Agence Europe, 13.10.).
  • Kritik: ECRE verweist darauf, dass die Krisenverordnung des Pakts bereits seit 01.07.2026 gilt (u. a. bis zu vier Wochen Frist für die Registrierung von Anträgen) und kaum erprobt ist (MiGAZIN, 18.10.). Die taz beschreibt das litauische Modell (Zurückweisungen nach Belarus, 2025: 263 Asylanträge von Menschen außerhalb Europas) als mögliche Vorlage (taz, 18.10.).
  • Zahlen: Laut EU-Kommission sanken die irregulären Grenzübertritte in den ersten neun Monaten 2026 um 34 % (zitiert nach MiGAZIN, 18.10.). Eine Frontex-Meldung für Jan.–Sep. liegt noch nicht vor; letzter Stand Jan.–Aug.: knapp 75.000 Übertritte, −35 %, ohne Ceuta Ende Juli (Frontex, 11.09.).
  • Schengen: Spanien und Italien wollen ihre seit dem Sommer (Ceuta) gegenseitig eingeführten Grenzkontrollen nach einer weiteren Woche beenden (The Olive Press, 18.10.; noch nicht gegengeprüft mit Regierungsquelle).

14 Länder

Länder

DE

Deutschland

  • Keine neue BAMF-Monatszahl (Oktoberzahlen erscheinen Anfang November; Septemberstand siehe Ausgabe 1).
  • Syrer: Das BMI will noch im Herbst ein Gesetz vorlegen, um den subsidiären Schutz von fast 670.000 Syrern überprüfen und aufheben zu können; die Rückkehrprämie soll auf bis zu 7.000 € steigen. Abgeschoben nach Syrien wurden von 2025 bis Ende Juli 2026 laut BMI nur fünf Personen (n-tv, 12.10.).
  • Afghanistan-Aufnahme: Seit dem Karlsruher Urteil vom Juli hat das BMI 32 Einzelfälle mit älteren Aufnahmezusagen geprüft, alle abgelehnt; rund 500 Menschen warten in Pakistan (FR, 18.10.).
  • Grenzverfahren am BER: Ein Gericht ließ sechs Menschen nach über zehn Tagen Verfahren einreisen (MiGAZIN, 18.10.).
  • Westbalkanregelung (Arbeitsmigration, u. a. aus Albanien, Bosnien, Kosovo): Kontingent soll ab 2027 von 50.000 auf 25.000 halbiert werden (MiGAZIN, 18.10.).
  • Kanzler Merz nannte irreguläre Migration beim Gipfel „eines der größten Probleme“ Europas (Vatican News, 17.10.).
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AT

Österreich

  • Keine neuen Daten (Septemberstatistik des BMI steht noch aus; letzter Stand Jan.–Aug. siehe Ausgabe 1).
  • Kanzler Stocker forderte beim Gipfel, in Lagen wie Ceuta keine Asylanträge annehmen zu müssen (MiGAZIN, 18.10.); Wien kritisierte zudem Spaniens Regularisierung von Migranten (ANSA, 16.10.).
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CH · neu: September

Schweiz

  • September 2026: 2.122 Asylgesuche (−18 % zu Sep. 2025, +12 % zu Aug. 2026, saisonüblich). Herkunft: Afghanistan 530, Eritrea 321, Algerien 247, Somalia 202, Türkei 112. Jan.–Sep.: 15.667 (−17 %).
  • Entscheide im September: 2.675 erstinstanzlich, 636 Personen erhielten Asyl. 804 Personen verließen die Schweiz kontrolliert, davon 327 mit polizeilicher Begleitung zurückgeführt (SEM, 15.10.).
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FR

Frankreich

  • Keine neuen Asyldaten (OFPRA/Innenministerium).
  • Unruhen am 17./18.10.: Nach friedlichen Protesten zu Lebenshaltungskosten und Schulen kam es zu Plünderungen und Brandstiftungen, rund 2.400 Festnahmen am Samstag; die Regierung macht „Ultralinke“ und Kriminelle verantwortlich (Guardian, 18.10.). Macron lehnte den Rücktritt von Innenminister Nuñez ab (Euronews, 19.10.).
  • Einordnung: Die redaktionellen Quellen stellen keinen Zusammenhang mit Migration her. Auf X deuten u. a. Ungarns Premier Magyar und Nutzer, die ein Musk-Interview vom Juli zitieren, die Unruhen als Argument für strenge Migrationspolitik; Kritiker verweisen auf innenpolitische Ursachen (X-Trend).
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BE · Lücke aus Ausgabe 1 geschlossen

Belgien

  • September 2026: 2.071 Antragsteller (1.649 Erst-, 422 Folgeanträge), −3,3 % zum August. Herkunft: Afghanistan 283, Palästina 266, Eritrea 188, Türkei 156, Burundi 108, … Syrien 45. Jan.–Sep.: 18.542.
  • Entscheidungen im September: 2.970, davon 845 Flüchtlingsstatus und 41 subsidiärer Schutz; 700 Anträge unzulässig, 1.238 abgelehnt. Offene Fälle Ende September: 27.794 (CGRS, Okt. 2026).
  • Ministerin Van Bossuyt: −29 % gegenüber Sep. 2025, −44 % gegenüber Sep. 2024 (Van Bossuyt, 15.10.).
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NL · Lücke geschlossen

Niederlande

  • September 2026: 3.041 Asylzugänge insgesamt (Erst- und Folgeanträge plus Familiennachzug), August: 2.936. Herkunft: Syrien 744, Eritrea 244, Algerien 209, Somalia 190, Sudan 148, Türkei 130, Irak 96, Pakistan 90. Jan.–Sep. 2026: 31.203 (IND Asylum Trends Sep. 2026).
  • Altfälle: Bei Paktstart im Juni waren rund 54.000 Anträge offen (IND).
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SE · Lücke nur teilweise schließbar

Schweden

  • Statistiklücke: Migrationsverket veröffentlicht seit Juni wegen der Umstellung auf den EU-Pakt keine vergleichbaren Asylzahlen mehr, nur vorläufig „registrierte Anträge“; die Daten sollen rückwirkend nachgeliefert werden (Migrationsverket). Überbrückung über EUAA/Eurostat.
  • Politik: Neue Regeln für 18- bis 21-Jährige seit 01.10. (Migrationsverket, 01.10.); ein Stoppgesetz gegen „Teenager-Ausweisungen“ wird geprüft (DN, 13.10.).
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DK · Lücke geschlossen

Dänemark

  • Jan.–Sep. 2026: 1.177 Asylanträge (brutto), im September 155; ganzes Jahr 2025: 1.961. Häufigste Herkunft Jan.–Sep.: Syrien 121, Eritrea 108, Afghanistan 94, Iran 83, Ukraine 69. Anerkennungsquote der Udlændingestyrelse: 37 % (US, Stand 30.09.).
  • Rückkehr: 618 Menschen nutzten Jan.–Aug. das Repatriierungsprogramm, 513 davon nach Syrien (Lovguiden, 09.10.). Ziel bleibt ein Ausreisezentrum in einem Partnerland bis Ende 2027 (UIM).
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NO · Lücke geschlossen

Norwegen

  • Jan.–Sep. 2026: 1.881 individuelle Asylanträge (ohne kollektiven Schutz für Ukrainer), im September 301. Häufigste Herkunft: Ukraine 570 (individuelle Anträge), Syrien 203, Eritrea 167, Kolumbien 99, Afghanistan 75, Türkei 60, Sudan 58, Iran 50 (UDI).
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GB

Vereinigtes Königreich

  • Ärmelkanal: Vom 11. bis 17.10. keine Ankünfte (GOV.UK, aktualisiert 18.10.).
  • Innenministerin Mahmood droht Eritrea mit Visasperren, falls es abgelehnte Asylbewerber nicht zurücknimmt (BBC); Gespräche mit EU-Kommissar Brunner über Zusammenarbeit (Guardian, 18.10.).
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IT · neu

Italien

  • Anlandungen 01.01.–15.10.2026: 24.583 (Vorjahreszeitraum 55.184). Erklärte Nationalitäten: Bangladesch 5.974, Algerien 3.003, Somalia 2.806, Eritrea 2.238, Sudan 1.804, Pakistan 1.650, Ägypten 1.488, Tunesien 1.310.
  • Rückführungen 01.01.–13.10.: 5.927 Zwangsrückführungen (2025: 4.661) und 993 unterstützte freiwillige Rückkehren. In Aufnahme: 125.862 Personen (Viminale, 15.10.).
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ES · neu

Spanien

  • Irreguläre Ankünfte 01.01.–15.10.2026: 27.230 (−5,9 %), ohne den Ceuta-Ansturm vom 30./31.07. Kanaren 8.970 (−33,5 %), Balearen 6.741 (+10,4 %), Festland per Boot 6.717 (+9,3 %), Ceuta über Land 4.076 (+41 %), Melilla über Land 701 (+170 %) (Innenministerium via Europa Press, 16.10.). Nationalitäten weist der Bericht nicht aus.
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GR · neu

Griechenland

  • Kreta: rund 19.000 Ankünfte 2026 (Angabe Minister Plevris), zuletzt 17 Boote in unter 48 Stunden und über 1.000 Ankünfte im Raum Ierapetra binnen weniger Tage. Abfahrten vor allem aus Ostlibyen, möglicherweise auch Ägypten; ein „erheblicher Teil“ der jüngsten Ankünfte stammt aus Bangladesch. Ein zweites Aufnahmelager in Athanatoi (Heraklion) ist im Bau. Landesweit: 42.000 Ankünfte von Aug. 2025 bis Jul. 2026 nach 62.000 im Vorjahreszeitraum (Eleftheros Typos, 19.10.).
  • Auf X kursieren Zitate, Plevris habe gefordert, auf Migranten zu schießen; das ist nicht belegt (noch nicht gegengeprüft).
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PL · Lücke teilweise geschlossen

Polen

  • Die Einschränkung von Asylanträgen an der Grenze zu Belarus gilt bis 18.11.2026 (UdSC), die Pufferzone bis 29.11.2026 (MSWiA).
  • Grenzlage: Seit Jahresbeginn über 470 Versuche im Abschnitt Podlasie; seit 15.09. sollen 30 Tage lang keine Versuche registriert worden sein (Pozirk, Okt.; noch nicht gegengeprüft). Die auf X verbreitete Aussage „null erfolgreiche Übertritte 2026“ ist nicht amtlich belegt.
  • Größte Antragstellergruppe sind Belarussen (nicht mehrheitlich muslimisch); eine aktuelle UdSC-Gesamtzahl für 2026 fehlt noch.
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Abschnitt

Offene Punkte für die nächste Ausgabe

  • Österreich: BMI-Septemberstatistik. Frankreich: aktuelle OFPRA-/Innenministeriumszahlen. Polen: UdSC-Gesamtzahl 2026 nach Staatsangehörigkeit. Schweden: Excel „registrierte Anträge“ auswerten.
  • Frontex-Zahlen Jan.–Sep. und Eurostat Juli 2026 prüfen.
  • Gegengeprüft: Italien-Nationalitäten (direkt aus Viminale-PDF). Bevölkerungsanteile am 20.10.2026 für alle 14 Länder an den Originalquellen aktualisiert (neueste Erhebung je Land).

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